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Naturkosmetik Inhaltsstoffe: Was steckt wirklich drin?
Du greifst im Drogeriemarkt zur Creme mit dem Aufdruck "natürlich" — aber was steckt wirklich drin? Die INCI-Liste auf der Rückseite liest sich wie ein Chemie-Lehrbuch. Selbst bei ausgewiesener Naturkosmetik stehen dort lange lateinische und englische Begriffe, die mehr verwirren als aufklären.
In diesem Ratgeber lernst du, die INCI-Liste zu entschlüsseln, gute von bedenklichen Inhaltsstoffen zu unterscheiden und wirklich fundierte Entscheidungen bei der Kosmetikwahl zu treffen.
Die INCI-Liste: So liest du sie richtig
Jedes Kosmetikprodukt in der EU muss eine vollständige Inhaltsstoffliste tragen — die sogenannte INCI-Liste (International Nomenclature of Cosmetic Ingredients). Dabei gelten feste Regeln:
Reihenfolge: Die Inhaltsstoffe stehen in absteigender Konzentration. Was oben steht, ist am meisten enthalten. Ab einer Konzentration unter 1 % darf die Reihenfolge beliebig sein.
Sprache: Pflanzliche Rohstoffe werden auf Latein angegeben (z.B. "Olea Europaea Fruit Oil" für Olivenöl), synthetische auf Englisch (z.B. "Dimethicone" für Silikon).
Duftstoffe: 26 allergene Duftstoffe müssen einzeln deklariert werden, wenn sie über bestimmten Konzentrationen liegen (z.B. Linalool, Limonene, Citronellol).
Faustregel für schnelle Orientierung
- Die ersten 5 Inhaltsstoffe machen den Großteil des Produkts aus — hier entscheidet sich die Qualität
- Aqua (Wasser) steht bei den meisten Cremes und Lotionen an erster Stelle
- Pflanzliche Öle auf Latein = gutes Zeichen
- Lange englische Begriffe mit "-cone", "-siloxane" oder "-paraben" = Silikone, synthetische Stoffe oder Konservierungsmittel
Gute Inhaltsstoffe: Was deine Haut wirklich braucht
Pflanzliche Öle und Fette
| INCI-Bezeichnung | Deutscher Name | Wirkung |
|---|---|---|
| Olea Europaea Fruit Oil | Olivenöl | Rückfettend, Vitamin E |
| Prunus Amygdalus Dulcis Oil | Mandelöl | Beruhigend, für sensible Haut |
| Simmondsia Chinensis Seed Oil | Jojobaöl | Hautähnlich, nicht komedogen |
| Rosa Canina Fruit Oil | Hagebuttenöl | Regenerierend, Anti-Aging |
| Butyrospermum Parkii Butter | Sheabutter | Intensiv pflegend, schützend |
| Cocos Nucifera Oil | Kokosöl | Antibakteriell, feuchtigkeitsspendend |
| Argania Spinosa Kernel Oil | Arganöl | Anti-Aging, nährend |
Pflanzliche Wirkstoffe
- Aloe Barbadensis Leaf Juice: Aloe Vera — beruhigend, feuchtigkeitsspendend
- Calendula Officinalis Extract: Ringelblume — entzündungshemmend, wundheilend
- Chamomilla Recutita Extract: Kamille — beruhigend, bei gereizter Haut
- Tocopherol: Vitamin E — antioxidativ, schützt vor freien Radikalen
- Ascorbic Acid: Vitamin C — aufhellend, kollagenfördernd
- Panthenol: Provitamin B5 — beruhigend, feuchtigkeitsbindend (auch in Naturkosmetik erlaubt)
Natürliche Konservierungsmittel
Naturkosmetik muss konserviert werden, um Keimwachstum zu verhindern. Erlaubte natürliche Konservierungsmittel sind:
- Benzyl Alcohol: Aus Jasmin oder Peru-Balsam, mild konservierend
- Potassium Sorbate: Kaliumsorbat, auch in Lebensmitteln zugelassen
- Sodium Benzoate: Natriumbenzoat, natürlich in Beeren vorkommend
- Dehydroacetic Acid: Milde Konservierung, oft mit Benzyl Alcohol kombiniert
Bedenkliche Inhaltsstoffe: Was du meiden solltest
Silikone
Silikone legen einen Film über die Haut, der sich seidig anfühlt, aber die Hautfunktion beeinträchtigt. Sie sind nicht biologisch abbaubar und belasten die Umwelt.
Erkennst du an: Begriffe mit "-cone" oder "-siloxane"
- Dimethicone
- Cyclomethicone
- Cyclopentasiloxane
- Amodimethicone
Erdölderivate
Mineralöle und Erdölprodukte sind günstige Füllstoffe, die die Haut nicht pflegen, sondern nur versiegeln. Es gibt Bedenken wegen möglicher Verunreinigungen mit MOAH (aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe).
Erkennst du an:
- Paraffinum Liquidum (Mineralöl)
- Petrolatum (Vaseline)
- Cera Microcristallina (Mikrokristallines Wachs)
- Ozokerite (Erdwachs)
- Begriffe mit "PEG-" (Polyethylenglykol)
Parabene
Parabene sind günstige Konservierungsmittel mit einer schwach östrogenähnlichen Wirkung. Einige wurden in der EU bereits verboten, andere in der Konzentration beschränkt.
Erkennst du an: Begriffe mit "-paraben"
- Methylparaben
- Ethylparaben
- Propylparaben
- Butylparaben (in der EU stark eingeschränkt)
Synthetische Duftstoffe
Der INCI-Begriff "Parfum" oder "Fragrance" kann Dutzende synthetische Duftstoffe verbergen. Viele davon sind Allergieauslöser.
In zertifizierter Naturkosmetik dürfen nur natürliche ätherische Öle als Duft eingesetzt werden. Aber Achtung: Auch natürliche Duftstoffe können Allergien auslösen.
Mikroplastik
Winzige Kunststoffpartikel, die als Schleifkörper in Peelings oder als Filmbildner in Cremes eingesetzt werden. Sie gelangen ins Abwasser und in die Umwelt.
Erkennst du an:
- Polyethylene (PE)
- Polypropylene (PP)
- Nylon-12
- Polymethyl Methacrylate (PMMA)
- Acrylates Copolymer
Naturkosmetik-Siegel: Welche gibt es?
NATRUE
Eines der strengsten Naturkosmetik-Siegel weltweit. Drei Stufen:
- Naturkosmetik: Mindestanteil natürlicher Inhaltsstoffe, keine synthetischen
- Naturkosmetik mit Bio-Anteil: Mindestens 70 % Bio-Zutaten
- Bio-Kosmetik: Mindestens 95 % Bio-Zutaten
COSMOS (BDIH, Ecocert, Soil Association)
Der internationale Standard, der verschiedene nationale Siegel unter einem Dach vereint:
- COSMOS Natural: Natürliche Inhaltsstoffe, Verzicht auf Problemstoffe
- COSMOS Organic: Zusätzlich mindestens 20 % Bio-Anteil (10 % am Gesamtprodukt)
Demeter Naturkosmetik
Wie bei Lebensmitteln der strengste Standard. Rohstoffe aus biodynamischem Anbau, sehr eingeschränkte Verarbeitungsprozesse.
Veganblume
Zertifiziert, dass keine tierischen Inhaltsstoffe enthalten sind und keine Tierversuche durchgeführt wurden. Unabhängig von der Natürlichkeit der Inhaltsstoffe — auch synthetische Kosmetik kann vegan sein.
10 Inhaltsstoffe, die du kennen solltest
1. Hyaluronsäure (Sodium Hyaluronate)
Auch in Naturkosmetik erlaubt, wenn biotechnologisch hergestellt (aus Fermentation). Bindet Feuchtigkeit und polstert die Haut auf. In konventioneller Kosmetik manchmal aus Hahnenkämmen gewonnen — in Naturkosmetik immer pflanzlich/biotechnologisch.
2. Squalan (Squalane)
Pflanzliches Squalan aus Oliven oder Zuckerrohr ist ein hervorragender Feuchtigkeitsspender, der dem hauteigenen Talg ähnelt. Leicht, nicht komedogen.
3. Niacinamid (Niacinamide)
Vitamin B3 — wirkt gegen Unreinheiten, verfeinert Poren, stärkt die Hautbarriere. In Naturkosmetik zugelassen, da biotechnologisch herstellbar.
4. Zinkoxid (Zinc Oxide)
Natürlicher UV-Schutz in mineralischen Sonnencremes. Liegt auf der Haut auf und reflektiert UV-Strahlen, anstatt chemisch zu filtern.
5. Bienenwachs (Cera Alba)
Natürlicher Konsistenzgeber und Hautschutz. Nicht vegan, aber in vielen Naturkosmetik-Produkten enthalten.
6. Xanthan Gum
Natürlicher Verdicker aus Fermentation. Unbedenklich und in vielen Naturkosmetik-Cremes enthalten.
7. Glycerin
Feuchtigkeitsspender, der in der Natur vorkommt. In Naturkosmetik pflanzlich gewonnen (aus Kokos- oder Palmöl). Sehr gut verträglich.
8. Cetearyl Alcohol
Kein Alkohol im üblichen Sinn, sondern ein pflanzlicher Fettalkohol als Emulgator. Unbedenklich und hautpflegend. Nicht verwechseln mit Alcohol Denat. (Ethanol), der die Haut austrocknet.
9. Citric Acid
Zitronensäure — natürlicher pH-Regulator. Kommt in fast jedem Kosmetikprodukt vor und ist völlig unbedenklich.
10. Tocopheryl Acetate
Vitamin-E-Derivat als Antioxidans. Schützt das Produkt und die Haut vor Oxidation.
Naturkosmetik selber prüfen: Tools und Apps
Du musst nicht jede INCI-Liste auswendig lernen. Diese Tools helfen:
- CodeCheck App: Barcode scannen, sofort alle Inhaltsstoffe mit Bewertung sehen
- ToxFox (BUND): Testet auf hormonell wirksame Stoffe
- INCI Beauty App: Detaillierte Bewertung jedes einzelnen Inhaltsstoffs
- Yuka App: Bewertet Kosmetik und Lebensmittel per Scan
Häufige Missverständnisse
"Naturkosmetik ist immer mild." Nein. Ätherische Öle, Fruchtsäuren und pflanzliche Extrakte können hautreizend oder allergen sein. Naturkosmetik ist nicht automatisch für empfindliche Haut geeignet.
"Chemie ist schlecht." Alles ist Chemie — auch Wasser. Der Unterschied liegt in der Herkunft und Verträglichkeit. Naturkosmetik setzt auf natürliche statt synthetische Chemie.
"Ohne Konservierungsmittel ist besser." Unkonservierte Kosmetik wird schnell zum Nährboden für Bakterien und Schimmelpilze. Gute Naturkosmetik verwendet milde, natürliche Konservierungsmittel in sicherer Dosierung.
"Alkohol in Kosmetik ist immer schlecht." Es gibt verschiedene Alkohole. Fettweiche Alkohole (Cetearyl Alcohol, Cetyl Alcohol) pflegen die Haut. Nur Ethanol (Alcohol Denat.) kann austrocknend wirken.
Fazit
Die INCI-Liste ist dein wichtigstes Werkzeug für bewusste Kosmetik-Entscheidungen. Du musst nicht jeden Inhaltsstoff kennen — aber die wichtigsten Warnsignale (Silikone, Parabene, Erdölprodukte, Mikroplastik) und die zuverlässigen Siegel (NATRUE, COSMOS, Demeter).
Wenn du unsicher bist, greife zu Produkten mit anerkanntem Naturkosmetik-Siegel. Diese garantieren den Verzicht auf problematische Stoffe und setzen auf pflanzliche, hautverträgliche Alternativen.
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