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Kompost: Bio-Dünger aus Küchen- und Garten-Abfällen selber machen

Eigener Kompost ist der beste Bio-Dünger und kostet nichts. Anlage, Befüllung, Pflege und Ernte — von der Schnellkompostierung bis zur Bokashi-Methode für die Wohnung.

Kompost ist das Schwarze Gold des Bio-Gartens. Eine Saison Kompost = beste Dünger-Qualität für umme. Drei Methoden je nach Platz und Lebensstil — vom Garten-Komposter bis zum Bokashi-Eimer für die Wohnung.

Die 3 Kompost-Methoden

Methode 1 — Klassischer Garten-Komposter (für Gartenbesitzer)

Was du brauchst:

  • 1 m² Platz im Halbschatten
  • Komposter (Holz oder Kunststoff, 350-700 L)
  • Erstausstattung: 30 € (Bausatz) oder 80 € (Profi-Thermo-Komposter)

Aufbau:

  1. Direkt auf Erde aufstellen — KEINE versiegelte Fläche (Bodenleben muss zugang haben)
  2. Erste Schicht: Reisig oder grobe Äste (10 cm) für Drainage
  3. Standort: Halbschattig — nicht in der prallen Sonne (vertrocknet) oder im tiefen Schatten (zu nass)

Methode 2 — Wurmkomposter (für Balkon)

Was du brauchst:

  • 50 × 30 × 40 cm Platz im Schatten
  • Wurmkomposter mit 3-4 Etagen (60-150 €)
  • Wurmkultur (Eisenia foetida — Mistwürmer) — 500 g für ~30 €

Vorteile:

  • Geruchsfrei (wenn richtig gefüttert)
  • Wertvollster Kompost überhaupt (Wurmhumus = 5× nährstoffreicher als normaler Kompost)
  • Funktioniert in der Wohnung

Methode 3 — Bokashi (für Mieter ohne Balkon)

Was du brauchst:

  • 1 oder 2 Bokashi-Eimer (Skaza Organko, 60-80 €)
  • EM-Bokashi-Mischung (Mikroorganismen-Schrot)

Funktionsweise:

  • Küchenabfall im luftdichten Eimer fermentieren (Milchsäuregärung, kein Sauerstoff)
  • Nach 14 Tagen: Vorfermentierter Bokashi-„Saft" (Pflanzendünger)
  • Nach weiteren 14 Tagen Bodenruhe: fertige Erde

Was darf in den Kompost?

✅ Erlaubt (im Verhältnis 1:3 Stickstoff:Kohlenstoff)

Stickstoff-Lieferanten (grün, feucht):

  • Küchenabfälle: Obst, Gemüse, Eierschalen
  • Rasenschnitt (in dünnen Schichten, sonst fault es)
  • Frische Pflanzenteile, Unkraut (vor Samenreife!)
  • Kaffeesatz + Filter
  • Tee-Beutel (ohne Kunststoff-Klemme)

Kohlenstoff-Lieferanten (braun, trocken):

  • Herbstlaub
  • Stroh, Heu
  • Holzhäcksel (gehäckselte Äste)
  • Pappe, Eierkartons (zerrissen)
  • Sägespäne (NICHT von behandeltem Holz)

❌ NIEMALS in den Kompost

  • Fleisch, Fisch, Knochen — locken Ratten, Ungeziefer
  • Milchprodukte — riechen schnell, ziehen Schädlinge
  • Gekochtes Essen mit Salz/Öl — stört Mikrofauna
  • Hunde-/Katzenkot — Krankheitserreger
  • Erkrankte Pflanzen (Mehltau, Krautfäule, Kohlhernie) — überleben Kompostierung, infizieren nächste Saison
  • Plastik, Glas, Metall — versteht sich
  • Asche aus Kohlefeuer — Schwermetalle (Holzasche in geringen Mengen ok)
  • Zitrusfrüchte in Massen — sehr säurehaltig (kleine Mengen ok)

Die 4 Schichten des perfekten Komposters

Beim Garten-Komposter:

  1. Drainage-Schicht (10 cm) — Reisig, grobe Äste
  2. Strukturmaterial (10 cm) — Holzhäcksel, Stroh
  3. Mischschicht (rest) — abwechselnd grün/braun, jeweils max. 15 cm
  4. Top-Schicht — alte Komposterde drauf (Mikroorganismen-Starter)

Wichtig: Nach jeder Schicht eine Handvoll Algenkalk oder Bentonit zugeben — fördert Verrottung, verhindert saures Klima.

Pflege

Feucht halten: Wie ausgewrungener Schwamm — handvoll drücken, max. 1-2 Tropfen Wasser. Bei Trockenheit: durchgehen mit Gießkanne.

Wenden alle 4-6 Wochen: Mit Grabegabel umstechen — sorgt für Sauerstoff, beschleunigt Verrottung von 12 auf 6-8 Monate.

Geruchskontrolle:

  • Riecht nach Ammoniak? → zu viel Stickstoff (Rasenschnitt-Überschuss). Mehr braunes Material.
  • Riecht nach faulen Eiern? → kein Sauerstoff. Wenden!
  • Riecht erdig-pilzig? → perfekt. Weiter so.

Schädlinge:

  • Maden, Mücken = normal, harmlos. Wenn nervig: Kompost mit dünner Erdschicht abdecken
  • Ratten = Notfall. Nie Fleisch/Milch. Komposter mit Bodengitter.

Wurmkomposter im Detail

Inbetriebnahme:

  1. Erste Etage 5 cm hoch mit feuchtem Zeitungspapier-Schnipseln (Einstreu)
  2. 500 g Würmer drauf
  3. Erste Tage nur kleine Mengen Küchenabfall (50 g/Tag)
  4. Würmer vermehren sich auf bis zu 4× ihrer Menge in 6 Monaten

Fütterung:

  • Klein gehackte Küchenabfälle (Würmer haben keine Zähne)
  • Unter Einstreu vergraben (Geruchsschutz)
  • Pro 1 kg Würmer: ~500 g Abfall pro Tag

Ernte:

  • Wurmhumus aus unterer Etage entnehmen (8-12 Wochen)
  • Würmer wandern automatisch in höhere Etagen mit frischem Futter
  • Anwendung: 2-3 EL pro Pflanze ins Pflanzloch oder als Top-Dressing

Bokashi im Detail

Befüllung (über 14-21 Tage):

  1. Schicht Küchenabfall (3-5 cm)
  2. Eine Handvoll Bokashi-Mischung drüber streuen
  3. Mit Stampfer leicht verdichten (Luft raus)
  4. Eimer luftdicht verschließen
  5. Wiederholen bis voll

Ernte:

  • Bokashi-Saft (Hahn unten am Eimer) alle 3-5 Tage abzapfen — 1:100 verdünnt als Pflanzendünger
  • Nach Vollfüllung: 14 Tage stehen lassen
  • Dann: In Erdloch im Garten oder im Topf "vergraben" (mit Erde mischen)
  • Nach weiteren 4 Wochen Bodenruhe: Pflanzbar

Tipp für Wohnung: 2 Eimer im Wechsel — einer wird befüllt, einer fermentiert.

Wann ist Kompost fertig?

Reifekompost erkennst du an:

  • Dunkelbraune bis schwarze Farbe
  • Krümelige Konsistenz
  • Erdiger Waldgeruch (kein Mief)
  • Kein erkennbares Material mehr (außer ein paar Holzstücken)
  • Temperatur abgekühlt auf Umgebungstemperatur

Zeitrahmen:

  • Heißkompost (oft gewendet, optimale Mischung): 6 Monate
  • Kaltkompost (selten gewendet): 12-18 Monate
  • Wurmhumus: 3-4 Monate
  • Bokashi: 6-8 Wochen total

Anwendung im Garten

Reifekompost:

  • Vor Pflanzung: 5-10 L pro m² oberflächlich einarbeiten
  • Top-Dressing: 2-3 cm um Pflanzen herum verteilen
  • In Pflanzloch: 1-2 Handvoll pro Pflanze

Halbreifer Kompost (12-Monats-Stand):

  • NICHT direkt zu Pflanzen — verbrennt Wurzeln
  • Geeignet für Hochbeet-Mittelschicht oder Gründüngungs-Beet (Senf, Phacelia)

Wurmhumus:

  • Sehr konzentriert, sparsam einsetzen
  • 1-2 EL pro Pflanze
  • Vor allem für Starkzehrer (Tomate, Zucchini, Kohl)

Häufige Fragen

Wie viel Kompost brauche ich pro Jahr für 50 m² Garten?

Etwa 200-500 L Reifekompost — 5-10 L pro m². Eine Familie produziert in einem Komposter ca. 200-300 L pro Jahr aus Küchenabfall + Garten. Reicht für ~30-50 m² intensiv genutzten Garten.

Mein Komposter stinkt. Was tun?

Sofort wenden + viel braunes Material (Stroh, Laub, Pappe) untermischen. Geruch verschwindet meist nach 3-4 Tagen. Bei Ammoniak-Geruch zu viel Stickstoff (Rasenschnitt).

Kann ich Bio-Kunststoff (PLA) kompostieren?

Theoretisch ja — Praktisch nein. PLA-„Bio"-Plastik braucht industrielle Kompostieranlagen mit 60+ °C über Wochen. Im Hauskompost zerfällt es nicht. Lieber komplett vermeiden.

Lohnt sich ein Bokashi für jemanden mit Garten?

Komplementär ja. Bokashi-Saft ist ein super Flüssigdünger für Töpfe und Beete. Plus: Im Winter kannst du Bokashi-fermentieren wenn Komposter eingefroren ist.

Wie unterscheide ich gute von schlechter Kompost-Qualität?

Guter Kompost: Wenige Erdklumpen, krümelig, kein Plastik/Metall, riecht erdig-süßlich. Schlechter Kompost: Stinkt, glitschig, Schimmel sichtbar — nochmal verwesen lassen oder neu starten.

Tomaten in den Kompost?

Pflanzenreste OHNE erkennbare Krautfäule — ja. Mit Krautfäule (schwarze Flecken) — Hausmüll, sonst überlebt Phytophthora und infiziert nächstes Jahr.

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